Zoot Money's Big Roll Band "It Should've Been Me" (1965, Repertoire Records 2005)

Der Bandname ist George Bruno "Zoot" Moneys schlechtem Zuhören bei Chuck Berrys "Johnny B. Goode" zu danken. "Someday you will be the leader of a big old band" heißt es da, und Zoot Money verstand "a big roll band".
Was später Zoot Money's Big Roll Band werden sollte, bestieg bereits seit 1961 die Bühnen britischer Rhythm'n'Blues Clubs. Da wurde nächtelang durchgerockt, wilde Sessions endeten in ausgeflippten Partys. Colin Allen (dr), Andy Somers aka Summers (g, später The Police), Zoot Money (voc, org), Paul Williams (voc, b), Nick Newell (sax, fl) und Clive Burrows (bar sax) wurde die berühmte Besetzung der Big Roll Band. 1963 stieg Zoot Money erst einmal aus, ging zu Alexis Corners Blues Incorporated. Doch Alexis Korner verließ bald darauf London und Zoot blieb. Er lud seine Band ein und gemeinsam ging es weiter.
Nachdem die Big Roll Band 1964 die Single "Uncle Willie" auf Decca veröffentlicht hatten, kam ein Jahr später die großartige LP "It Should've Been Me" mit Blues, Jazzbeat mit einem Hauch Big Band Sound, Soul und R&B heraus. "Wir haben alles an einem Tag aufgenommen", meinte Zoot später. "Erst nahmen wir drei Songs auf, dann gingen wir in den Pub und danach kamen die anderen 9 Tracks dran, so war das damals."
Wie ein unüberlegter Schnellschuss hört sich das Album jedoch nicht an. Von den 12 Stücken sind einige für damalige Verhältnisse erstaunlich lang. "Back Door Blues" und "Feelin' Sad" bringen es gar auf über 6 Minuten. Insgesamt ist das Album 48 Minuten lang. Das Reissue von Repertoire, im Digipack mit 10 (!) Bonustracks, Bildern und Story von Chris Welch ist Ohren- und Augenfreude pur. Die Bonustracks stammen aus demselben Zeitraum, von der 1964er Single "Uncle Willie" als ältestem Track bis zu "Zoot's Serman", 1966 eingespielt, gehören die Songs alle in dieselbe Phase.
Alles ist auf der CD zu hören - und alles in Mono. Rasante Rocker mit Bläserattacken, quasi stolpert die Platte in eine wilde, ausgelassene Session hinein, die Band flippt gleich zu Beginn aus, um in das coole "I'll Go Crazy" (was sonst!) zu stürzen - alle Achtung, ein galanter und überraschender Auftakt!
Die vielen knackfrischen Rocker, aber auch ausgedehnte, langsame Bluesnummern mit längeren Instrumentalparts, in denen Orgel, Gitarre und Bläser gleichmäßig die melodischen Muster ausführen, prägen die CD. Darunter viele Coversongs, einiges, was die Big Roll Band vom Swing per Rhythmuswechsel in den Rock transferierte. Es war sicher ein guter Pub mit angenehmer Atmosphäre, in den die Band sich nach den 3 Songs zurückzog, um Kraft für die weiteren 9 Tracks zu tanken. Da gibt es keine müden Noten zu hören, ist die Band frisch, frech und forsch, kracht mit schrägen Takten durch die Standards, dass es eine Freude ist!
Die Gute Laune Musik hat bis heute nichts von ihrem Charme verloren; sind hohe Energie, Witz und Spielfreude ungebrochen auszumachen. Und die Songs stecken an. Das geht in die Beine und lässt den Körper schlottern, tanzen und rocken.
Die Soundqualität der Bonustracks bleibt auf dem hohen Niveau der originalen LP Tracks, Spannung und Spaß sind hier ebenso zu finden. Tolle Produktion, die mit 79.59 Minuten die CD vollständig ausreizt und besten britischen Rhythm'n'Blues aus den Sechzigern bietet. Tipp!

VM



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