Beck Bogert Appice - Beck Bogert Appice (Epic 1973)

Jeff Beck, der englische Ausnahme-Gitarrist, bekannt von den Yardbirds, den Aufnahmen mit seiner eigenen Jeff Beck Group, seiner Zusammenarbeit mit der Jan Hammer Group usw., und die ehemalige (und jetzt wieder) Rhythmussektion der legendären "Vanilla Fudge" (und der vielleicht nicht so legendären, aber auch guten, "Cactus"), Tim Bogert und Carmine Appice (sprich: äpies), wollten schon lange mal zusammenarbeiten. Man kannte sich seit den Aufnahmen zu einem Coca Cola-Werbejingle Ende der 60er, bei denen Jeff den erkrankten Stammgitarristen von "Vanilla Fudge" ersetzte. Als Jeff 1973 in Chicago weilte, um, auf Wunsch der Plattenfirma, Stevie Wonder bei den Aufnahmen zu seinem Album "Talking Book" zu unterstützen, lud Jeff Carmine und Tim ein, um mit ihm dort nach den Aufnahme-Sessions zu jammen. Während einer Pause spielte Jeff Schlagzeug (!!), Stevie Wonder stieg mit ein und so entstand der Über-Song "Superstition" (Songwriter-Credits für Stevie W., er hat BBA den Song abgekauft), der ein grosser Hit für Stevie Wonder und ein Live-Klassiker für BBA wurde! Beck Bogert Appice definierten die Formation des Power-Trios endgültig. Sie spielen zwar keinen Prog (im engeren Sinne), aber mit den Ingredenzien von Rock, Blues, Soul, Motown schufen sie einen ganz eigenen Stil und Sound, schon daher ist es würdig, dieses Album als erregende Musik zu bezeichnen ;-)

"Black Cat Moan" bietet am Anfang noch einigermassen konventionelle Kost: Auf Basis eines Blues-Riffs donnert der Bass und krachen die Drums. Live mutiert dieser Song allerdings zum Ereignis, auch durch den Einsatz von "The Bag", einem von Jeff selbstgebasteltem Vorläufer der "Talkbox". "Lady" ist ein Motown-Rocker mit sirrenden Gitarren über einer wuseligen, polyrhythmischen, treibenden Percussion. Der tolle Harmony-Gesang rundet das Sahne-Stück ab. Überhaupt der Gesang: Leider lässt sich weder dem CD-Booklet, noch irgendwelchen Internet-Quellen entnehmen, wer hier eigentlich Lead singt. Aber nachdem ohnehin geniale Chor- und Harmonygesänge das Bild bzw. den Ton beherrschen, ist das vielleicht auch nicht so wichtig. "Oh To Love" ist eine schöne Ballade, auch wieder Motown-Stil beeinflusst. Dann kommt "Superstition": Die "klingelnde" Gitarre am Anfang und der folgende Groove sind legendär. Schlagzeug und Bass nehmen diesen Groove auf und jagen den Hörer förmlich durch den Song! "Sweet Sweet Surrender" ist eine absolut unpeinliche Schmalz-Ballade mit zuckersüssem Gesang. "Why Should I Care" und "Lose Myself With You" ziehen dann wieder mächtig an: Straighte Rocker mit sirrenden Gitarren, pumpendem Bass, treibender Percussion. Auch "Livin' Alone" knüpft hier an und bietet vor allem Jeff Beck Gelegenheit zu allerlei virtuosen Gitarreneinsprengseln, aber auch Tim und Carmine geben alles an ihren Instrumenten. Zum Abschluss gibt es mit "I'm So Proud" noch eine schöne Motown-Soul-Ballade. Leider ist nach knapp über 37 Minuten der Trip vorbei...

Ehrlichgesagt... Dieses Album hat mich so weggeblasen wie keines zuvor und kaum eines danach. Auch jetzt noch, nach Jahren des Hörens durchlaufen mich immer wieder wohlige Schauer.

Dies blieb das einzige Studioalbum der "Supergroup". Nach einer sehr erfolgreichen Japan-Tournee (dokumentiert auf dem Doppel-Album "Live" und in Auszügen im 3-CD-Boxset "Beckology") hatte man sich irgendwie auseinandergelebt und trennte sich wieder. So bleibt also nur der vehemente Genuss dieses Albums sowie die Suche auf Plattenbörsen nach dem Live-Album. Beinharten Jeff Beck-Fans sei auch die Box "Beckology" ans Herz gelegt. Für alle anderen nochmals der Hinweis aus dem Booklet von "Beckology": "BBA was guilty of excess..."!

Thomas Kohlruß



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