Balance II "Balance II" (OIE Records, VÖ: 25.07.2006)

Die Lady auf dem Cover findet sich in allerlei anregenden Posen schön fotografiert und mit gutem Fotobearbeitungsprogramm gut fotobearbeitet anschaulich auf jeder Seite des Booklets wieder. Aber nicht deswegen sollt ihr euch die CD zulegen. Sondern wegen ihres letzten Aktes auf dem Backcover…
Balance II ist ein Bandprojekt um Chef Brian Moritz (g, key). 1995 gegründet, war die Band von vornherein dafür gedacht, dass die Kumpels Vince Claps (voc), Dave LaRue (b), Rod Morgenstein (dr) und Joel Kaplan (key) mit ihrem Chef jammen würden, gemeinsam die Untiefen im Jam Rock zwischen Blues, Jazz und Prog auszuloten. Allerhand weitere Musiker waren schon in der Truppe aktiv, diese sind der feste Kern. Wie viele Kästen Bier mögen dabei draufgegangen sein, von 1995 bis zur Fertigstellung dieser fabelhaften CD?
Balance II sitzen fest zwischen allen Stühlen (wie soll man das ins Englische übersetzen!?!), die Keyboards erinnern an 80er Jahre Melodic Rock. Funk, Jazz Fusion, Hardrock, Blues und mal weniger mal mehr dezent angeknüpfte Komplexchens machen die Sache rund, Indianisches und allerhand Folktypisches ergänzen hier und dort die Songs. Technisch ist die bewährte Truppe prächtig geübt, in Sachen Inspiration allerfeinstens begabt.
Der Höhepunkte gibt es viele, in jedem Song. Das sind zuerst die grandiosen Chorarrangements, die mich leicht an Capability Brown ("Voice") erinnern und neben dem dezenten Einschlag in 80er Melodic Rock tief aus typisch amerikanischem Folkrock Stil Inspiration ziehen. Toll! Wahrhaft!
Die Songs sind insgesamt vielleicht zu ambitioniert und kompliziert, um wirklich in der geliebten Eckkneipe am Samstagabend den Biergenuss zu veredeln (obwohl sie das perfekt könnten), denn immer wieder gibt es in dem Allman Brothers/Dixie Dregs - inspirierten Sound mitten im fetten Jamrock mit tollen Jazz-Fusion-Gitarrensoli und nach Krokodil-Sumpf riechendem Melancholie-Blues extravagante Mätzchen: vertrackte Breaks, plötzlich einbrechende Komplexpassagen und jazzige Läufe. Nach diesen wundervollen Einlagen gehen die Songs wieder ins Liedhafte über und unterhalten mit Groove, Funk und guter Laune.
Das Album ist exzellent ausgewogen, hält sich selbstsicher zurück und gibt sich gelassen. Die wilden Momente sind der Band sicher, da braucht sie nicht anzugeben und trumpft dafür wie aus dem Boden geschossen umso aufregender und überraschender auf.
Das einzige wirkliche Problem, das dieser CD als böser Makel anhaftet, ist die Möglichkeit, es im Auto abspielen zu können. (…) Jetzt muss ich zahlen, und dabei bin ich doch niemals Schuld! Also wirklich!

VM



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