Alquin "Marks""The Mountain Queen" (Universal Music 1972/73, Esoteric Recordings, VÖ: 24.08.2009)

Alquin hatten niemals einen Namen wie Focus, Supersister, Ekseption oder Golden Earring. Die Wurzeln der holländischen Band, die mit ihren fünf originalen Alben in der zweiten Liga arbeitete und doch ihre Berechtigung hat, liegt in 1969. Ronald Ottenhof (fl, sax), Dick Franssen (key) und Job Tarenskeen (dr) trafen sich als Studenten auf der Universität in Delft, und gründeten ihre Band Threshold Fear, in der sie für Uni-Anlässe und private Parties Rhythm & Blues spielten. Ende 1970 kam Ferdinand Bakker (g), der vorher beim Pye-Set gewesen war, dazu, ebenso Hein Mars (b) und BertTer Laak (dr), der Tarenskeen am Schlagzeug ersetzte (Tarenskeen wechselte zum Saxophon und wurde Leadsänger der Band). In der Besetzung spielte die Band eine Single ein, heute, wie man sich gut vorstellen kann, eine schwer zu beschaffende Rarität, die ihren Preis hat, ohne wirklich hochwertige musikalische Qualität zu besitzen.
Die Band spielte auf dem Holland Pop Festival in Rotterdam, auf dem Woodstock Festival 1969, wo große Acts wie Canned Heat, Santana, Jefferson Airplay und It's A Beautiful Day auftraten. Ende 1971 gab es mehrere Umbesetzungen. Mit neu geschriebenem Material veränderte sich die Band stilistisch, brach in progressive Gefilde auf, in diesem Zusammenhang nannte sich die Band in Alquin um, nach dem alten Delfter Gelehrten Alcuin. Noch auf der Universität nahmen Alquin ein Demoband auf, woraufhin ein Vertrag mit Polydor Records Holland zustande kam.
"Marks" und "The Mountain Queen" sind die beiden ersten und spannendsten Alben Alquins. Stilistisch ranken sich die Kompositionen von Pop über Folk, Klassik und Rock bis Jazz. Komplex-aufwendige Songs teilen sich die Platte mit kurzen, liedhaften Popstückchen und langen Epen. Der instrumentale Klang hat seinen Reichtum in der Vielfalt der Instrumente. Violine, Orgel, Flöte, Saxophon, Perkussion sowie das typische Rockinstrumentarium Gitarre, Keyboards, Bass und Schlagzeug geben den freakig ausgeflippten Songs wie den schlichteren vielfältige Klangnoten, was eine gewisse Parallele zu Traffic oder Caravan zulässt, die kompositorisch eher weniger ins Spiel kommt.
Auf "Marks" fällt besonders das 11 Minuten lange "I Wish I Could" ins Ohr, dessen epische Struktur exzellent ausgearbeitet wurde und mit kraftvollen Disharmonien auf floydiger Basis aufwartet. Aber auch die kürzeren Songs haben überwiegend ansprechende Themen, witzige und partiell erheblich schräge und kraftvolle Momente.
"The Mountain Queen" beginnt mit dem 13-minütigen Song "The Dance", wohl der kräftigsten, farbenfrohesten Komposition der Band überhaupt. Alquin rocken heavy, die Gitarrensounds sind ungemein ansprechend, der deftige Rhythmus und die kratzigen Orgelsounds, dazu das dreckige Gebläse, hier passiert ordentlich was. Allein das mehrere Minuten dauernde Intro mit dem ersten Gitarrensolo ist erstklassig. Die zweite lange Komposition, "Mountain Queen", vierzehneinhalb Minuten lang, hat hingegen deutliche Schwächen und beginnt nach dem kurzen eröffnenden Motiv mit ausgedehnt poppigem Motiv, das tanzbar und eingängig ist, erst später wieder wird das lange Teil musikalisch interessant und gut. Von den kurzen Schnipseln zwischendrin kann man sich ebenfalls ganz nett unterhalten lassen, der solistische Wechsel von Saxophon-Gitarre-Geige-Keyboards macht das Zuhören kurzweilig. Abschließend tummeln sich noch einmal 8 Minuten in "Mr. Barnum Junior's Magnificent and Fabulous City (Part One)", der in komplett anderer Form auf dem Debüt schon einmal zu hören war und hier neben schlicht komponierter Basis exzellente instrumentale Solisten mit virtuosem Jazzrock offenbart.
Schöner Abschluss.
Beide Alben sind nun, 2009, von Esoteric Recordings, digital remastert, in sattem Klang wieder neu auf CD veröffentlicht worden, nachdem es bislang nur die in schlichtem Sound in Holland aufgelegten 2 on 1 CDs gab, wo beide Alben zusammen minus "Mr. Barnum's Jr's Magnificent and Fabulous City" von "Marks" zu hören waren. Informative Booklets mit Story, Bildern, technischen Informationen und Lyrics ergänzen die Produktion, ach so, auf "Marks" gibt es einen Bonustrack, den kurzen Hardrocker "Hard Royce", die B-Seite einer 1973er Single.
Bleibt zu hoffen, dass die drei folgenden Alben ebenfalls in dieser Form aufgelegt werden.

alquin.org
cherryred.co.uk
VM





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